Als der Frauenfußball laufen lernte

Als der Frauenfußball laufen lernte

3003796709Ein Rückblick zum 60-jährigen Jubiläum des FC Rumeln-Kaldenhausen 1955

Mitte der 70er Jahre begann man beim FC Rumeln-Kaldenhausen, An den Wieen, über das „Abenteuer“ Frauenfußball nachzudenken. Im Jahre 1977 wurde dann die erste Frauenfußballmannschaft gegründet, die im Allgemeinen und auch im Protokollbuch des FC Rumeln-Kaldenhausen, welches die Jahreshauptversammlungen dokumentierte, noch bis weit in die 90er Jahre hinein als „Damenmannschaft“ geführt wurde. Zum Zeitpunkt der Gründung hatte natürlich noch niemand an nationale oder internationale Erfolge und Titel gedacht.
Im 1978 wurde Peter Bonten Trainer, der vom TB Rheinhausen wechselte. Da die Spielerinnendecke sehr dünn war, wurde Ende 1978 in Erwägung gezogen für einen guten Unterbau eine Mädchenmannschaft zu gründen. Abteilungsleiter des Frauenfußballs war derzeit Erwin Brenkes, der Ende 1979 berichtete, dass die `Damenmannschaft´ in der letzten Saison einen guten Platz in ihrer Gruppe erobert hat“. Im Sitzungsprotokoll vom Juli 1983 war nach Klaus Till (vermutlich neuer Abteilungsleiter) zu lesen, dass die neue Mädchenmannschaft einen guten Start hatten und die Damenmannschaft einen guten 6. Platz in der Landesliga belegt hatte und sich besonders bei Turnieren durch viele Siege behauptete.Im Mai 1984 wird dokumentiert, dass die Damenmannschaft auf eine recht erfolgreiche Landesliga-Saison zurückblicken können (Platz 6), sie vier Kreisauswahlspielerinnen und eine Niederrheinauswahlspielerin stellte. Im August 1985 wurde berichtet, dass die Damen in der Meisterschaft Platz acht belegten, den Wanderpokal für Damenmannschaften des Kreises 7 gewonnen hätten und sechs Spielerinnen in der Kreisauswahl spielten. Für die neue Serie sei ein neuer Trainer gefunden worden. Stetig verbessert, stiegen die Frauen vom FC Rumeln-Kaldenhausen 1990 dann in die zweithöchste Spielklasse (Regionalliga West) auf.
1657579235Es dauerte seit Gründung 15 Jahre, da hielten die Macher ein weißes Tuch hoch: „Wir sind da – FC Rumeln – Damen-Bundesliga 1993“ stand dort zu lesen. Davor posierte ein Team, welches wenig später, am 15. August 1993, zum allerersten Bundesliga-Spiel lud. Gegner war die damalige absolute Frauenfußball-Größe KBC Duisburg. Die Partie ging mit 1:2 verloren – ein traumhafter Seitfallzieher der Kaßlerfelderin Sandra Müller korrigierte den zwischenzeitlichen Ausgleich durch die Rumelnerin Evelin Götzen.
Der allerersten FCR-Bundesliga-Mannschaft vom legendären 15. August 1993 (Bergmann – Himmelmann, Stürmer, Heinbach, Ridders, Graf, Schmidt, Hildner, Götzen, Jagenburg, Meinert/eingewechselt Czichowlas, Bisigo) folgten jede Menge Spielerinnen, die den Ortsteil international berühmt machten: Fatmire Bajramaj, Linda Bresonik, Nicole Ferber, Sonja Fuss, Jeannette Götte, Inka Grings, Melanie Hoffmann, Ursula Holl, Annike Krahn, Simone Laudehr, Claudia Mandrysch, Maren Meinert, Jutta Nardenbach, Viola Odebrecht, Alexandra Popp, Silke Rottenberg, Sandra Smisek, Karstin Stegemann, Shelley Thompson, Martina Voss und Luisa Wensing – hinzu kommen die U 19/20-Nachwuchs-Weltmeisterinnen Patricia Hanebeck, Elena Hauer, Marina Hegering, Turid Knaak, Kathrin Längert, Stephanie Mpalaskas und Anne van Bonn, die indes den Sprung in den A-Kader nicht schafften.
Martina Voss (1996 und 2000) und Inka Grings (1999) wurden zur Fußballerin des Jahres gewählt und zahlreiche Spielerinnen schafften den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Das Frauenteam war in dieser Zeit sehr erfolgreich. Neben dem Gewinn des DFB-Hallenpokals (2x) und des DFB-Pokals, wurde der FCR im Jahre 2000 erstmals Deutscher Meister. In den beiden Jahren zuvor errang das Team die Vizemeisterschaft und einen sehr guten dritten Platz in der 1. Bundesliga.
Im Jahre 2001 wurde die „Ehe“ getrennt. Das Frauenteam gliederte sich aus und wurde ein eigenständiger Verein (FCR 2001 Duisburg). Somit war auch das Thema Frauenfußball beim FC Rumeln-Kaldenhausen vorerst beendet. Es sollte wiederum elf Jahre dauern, bis es „An den Wieen“ erneut Frauenfußball gibt. Seit 2012 spielt wieder ein Juniorinnenteam beim FC Rumeln-Kaldenhausen. Vielleicht wiederholt sich Geschichte ja…

Quelle: lokal-nachrichten